Unser Gedächtnis
Was es kann und wie man es trainiert

Bei einem Computer ist es die Festplatte, bei uns Menschen speichert das Gedächtnis die Informationen. Dass wir uns an so viele entscheidende, prägende, aber auch teilweise komplett unwichtige Dinge erinnern können, haben wir unserem Gedächtnis zu verdanken. Dabei ist das Gedächtnis ein überaus diffuses Konstrukt.

Im Gedächtnis gespeicherte Informationen sind das Ergebnis von bewussten oder unbewussten Lernprozessen. Die Gedächtnisbildung wird dabei durch die neuronale Plastizität ermöglicht, kurzum: Im Gehirn treffen die über die Sinnesorgane eingehenden Informationen zusammen, werden gefiltert, geordnet und unter Umständen länger gespeichert. Die verschiedenen Gedächtnisarten können auf psychologischer Ebene nach zwei Aspekten eingeteilt werden: der Dauer der Speicherung oder der Art des Gedächtnisinhalts. Hinsichtlich der Speicherdauer der Information wird zwischen dem Ultrakurzzeitgedächtnis, dem Kurzzeitgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis unterschieden.

Das Ultrakurzzeitgedächtnis

Das Ultrakurzzeitgedächtnis speichert eingehende Sinnesreize für wenige Sekunden, teilweise sogar weniger als eine Sekunde und dient dazu, einmal begonnene Handlungen fortsetzen zu können. Das Ultrakurzzeitgedächtnis hilft zum Beispiel dabei, Zusammenhänge in Gesprächen oder in einem Film nicht zu verlieren. Es nimmt jede neue Information in jedem Fall auf und bearbeitet sie kurz. Nur wenn die Information so wichtig ist, dass sie weiterer Bearbeitung bedarf, wird sie an das „Kurzzeitgedächtnis; den Arbeitsspeicher des Gedächtnisses weitergeleitet.

Das Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis hält Gedächtnisinformationen mehrere Minuten und manchmal bis zu einer Stunde aufrecht. Es dient als temporärer Speicher, bevor Gedächtnisinhalte in das Langzeitgedächtnis überführt werden. Es speichert Daten, um sie wiederzugeben, aber nicht, um sie sich einzuprägen. Wo habe ich denn gerade mein Mobiltelefon hingelegt? Wie lautete die Postleitzahl, die mir eben genannt wurde? Ohne Kurzzeitgedächtnis wäre die Bewältigung des Alltags außerordentlich schwierig. Dennoch hat es ein unfassbar limitiertes Aufnahmevermögen. Das Problem ist, dass alle Informationen, die wir über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde gespeichert haben, bereits auf jeden Fall im Langzeitgedächtnis sind!

Das Langzeitgedächtnis

Im Langzeitgedächtnis können Inhalte für Wochen bis Jahre und sogar lebenslang abgespeichert werden, es ist nahezu unbegrenzt. Es ist damit das dauerhafte Speichersystem des Gehirns. Es handelt sich nicht um ein einheitliches Gebilde, sondern um mehrere Speicherleistungen für verschiedene Arten von Information. Zu unterscheiden sind verschiedene Prozesse des Langzeitgedächtnisses: das Lernen/ Enkodierung (Neues Einspeichern von Information), das Erinnern/Abrufen (Bewusstwerden von Gedächtnisinhalten), das Konsolidieren/Behalten (Festigung von Information durch wiederholten Abruf), die Verknüpfen von neuen und alten Informationen und letztlich das Vergessen (Zerfall von Gedächtnisinhalten oder Abänderung durch konkurrierende Information). Was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird und was nicht, ist auch das Ergebnis von Übung. Man kann das Gedächtnis also trainieren. Je interessanter und wichtiger man Daten für das Gedächtnis macht, umso eher kann man sie sich merken. Beliebte Hilfsmittel sind Eselsbrücken, beispielsweise Reime oder Assoziationsketten.

Wenn das Gedächtnis „hakt”

Unsere Gedächtnisleistung funktioniert nicht immer gleich gut – oder gleich schlecht. Unterschiedliche Menschen verfügen zudem auch über unterschiedliche Gedächtnisleistungen. Bei dem einen ist das Kurzseitgedächtnis ausgeprägter, beim anderen das Langzeitgedächtnis. Wie bereits erwähnt, das Gedächtnis sollte auch trainiert werden. Wer eben jahrelang kein Buch liest, wird sich nicht soviel merken können, wie eine Leseratte. Dazu kommen noch mögliche Erkrankungen, die die Gedächtnisleistung beeinträchtigen können. Dabei ist die Bandbreite groß: Neben organischen und neurologischen Krankheiten wie Stoffwechselstörungen, bestimmten Infektionen, Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit oder einem Hirntumor können auch psychische Leiden wie eine Depression oder aber bestimmte Medikamente hinter Gedächtnisschwierigkeiten stecken.

Alzheimer-Vorsorge: Cholesterinspiegel senken

Wenn das Gedächtnis nachlässt, kommt schnell die Angst vor Alzheimer. Was tun, um vorzubeugen? Das ApoE4-Gen beispielsweise ist nachweislich ein Risikofaktor für Alzheimer. Jeder Fünfte trägt es in sich. Jetzt steht fest: Betroffene können mit einer Senkung des Cholesterinspiegels ihr erhöhtes Risiko wieder reduzieren – vor allem, wenn sie zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Regelmäßige körperliche Bewegung und eine vollwertige Kost, die beispielsweise reichlich Gemüse und Obst und wenig tierische Fette enthält, helfen dabei, einen hohen Cholesterinspiegel zu vermeiden. Bei Trägern des ApoE4-Risikofaktors ist das offenbar besonders wichtig. Grundsätzlich gilt: Was für die Herzgesundheit gut ist, ist auch für Gehirn und Gedächtnis gut. Das legen erneut Ergebnisse einer aktuellen Studie nahe, die Wissenschaftler des „Netzwerks AlternsfoRschung” der Universität Heidelberg durchführten.