Saure Sache Sodbrennen. Was wirklich hilft

Die Feiertage mit ihren köstlichen Versuchungen sind längst vorbei, und oft wurden noch mit vollem Magen die Neujahrsvorsätze gefasst: Regelmäßige Besuche in den Hallen des örtlichen Fitnessstudios und Verzicht auf Süßes und Fettes sollen spätestens bis zum Sommer die Wunschfigur herbeizaubern. Ein Sodbrennen wie am Morgen nach Omas weihnachtlichem Gänsebraten oder den alkoholischen Genüssen zu Silvester soll es jedenfalls so bald nicht mehr geben…

Reflux, im Volksmund „Sodbrennen“ genannt, grüßt nämlich viele Menschen am Tag nach einem besonders ausgiebigen, fettreichen Mahl mit einem „sauren Hallo”. Bei manchen tritt das unangenehme Gefühl gleich nach dem Essen ein und wird häufig mit einem beliebten, aber kontraproduktiven „Verdauungsschnaps” bekämpft. Vor allem in den Industrieländern tritt Reflux immer häufiger auf. Übergewicht, ungesunde Ernährung und Alkohol überfordern unseren Magen.

Sodbrennen: Entstehung und Symptome

Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird durch die Speiseröhre in den Magen befördert. Dort befindet sich ein Schließmuskel der verhindert, dass der Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt. Manchmal funktioniert der Muskel aber nicht so, wie er sollte. Magensäure gelangt in die Speiseröhre und reizt dort die Schleimhaut. Beim Reflux handelt es sich aber, wie der lateinische Name schon sagt, um einen (unerwünschten) Rückfluss. Ursache kann die Überproduktion von Magensäure sein, aber auch fettreiche Ernährung, zu hastiges Essen, zu viel Kaffee, reichhaltiger Alkoholkonsum, die Einnahme bestimmter Medikamente, Stress, Schwangerschaft oder schlichtweg eine Fehlfunktion des Ringmuskels, der in diesem Fall zu schwach ist, um seine Funktion zu erfüllen. Die Magenschleimhaut ist von Natur aus gegen die scharfe Säure geschützt, die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre jedoch nicht. Kommt die Speiseröhrenschleimhaut mit der Magensäure in Kontakt, entsteht ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein – das Sodbrennen. Hinzu können Beschwerden wie ein Druckgefühl im Oberbauch, saures Aufstoßen und ein unangenehmer Geschmack im Mund kommen. Auch Husten, Heiserkeit, Schluckstörungen, Magenschmerzen, Übelkeit und ein unangenehmes Völlegefühl können als Symptome auftreten. In jedem Fall sollte man bald etwas gegen Sodbrennen unternehmen. In der Apotheke beraten wir Sie gerne.

„Der Magen eines gebildeten Menschen hat die besten Eigenschaften eines edlen Herzens: Sensibilität und Dankbarkeit.” (Alexander Sergejewitsch Puschkin, 1799-1837, russischer Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur)

Tipps gegen Sodbrennen:

• Übergewicht reduzieren
• Ausreichend alkoholfreie, zuckerarme Flüssigkeit trinken, z.B. verdünnte Säfte
• Von kohlesäurehaltigen Getränken auf stilles Wasser umsteigen
• Frittiertes, Geselchtes und Schokolade nur in Maßen genießen
• Auf Kaffee, Alkohol (vor allem Spirituosen) und Nikotin verzichten
• Lieber mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen zu sich nehmen
• Abends nur leichte, stärkehaltige und säurearme Kost essen
• Nicht zu spät essen
• Den Oberkörper im Bett leicht aufgerichtet lagern
• Auf der linken Seite schlafen, da die Magensäure im Liegen auf der rechten Seite leichter in die Speiseröhre gelangt
• Im Akutfall: Ein Glas Leitungswasser mit einem Löffel Backnatron trinken

Ausgereizt: Wenn Reflux zur Krankheit wird

Tritt Sodbrennen nur ab und zu auf, ist es zwar unangenehm, verschwindet aber zumeist von selbst. Tritt das Sodbrennen mehrmals in der Woche auf oder hält länger als drei Wochen an, sollten Betroffene unbedingt den Hausarzt aufsuchen, es könnte sich um die Refluxkrankheit handeln. Daraus kann eine Speiseröhrenentzündung (einer sogenannten Ösophagitis) entstehen, die sich unbehandelt wiederum zu einem Schleimhautgeschwür der Speiseröhre entwickeln kann – einem sogenannten Ulcus.
Das Geschwür wiederum kann sich im schlimmsten Fall in Speiseröhrenkrebs wandeln. Der Hausarzt verschreibt nach einer eingehenden Untersuchung meist Säurehemmer. Dabei sind die gebräuchlichsten Arzneimittel Protonenpumpenhemmer und Histamin- H2-RezeptorBlocker. Die Beschwerden gehen bei regelmäßiger Einnahme der verschriebenen Medikamente rasch zurück, denn die H2-Blocker schränken die Produktion von Magensäure (Salzsäure) ein, die Protonenblocker (in schwereren Fällen verordnet) blocken sie fast vollständig ab. Die Entzündungen und Läsionen der Speiseröhrenschleimhaut können nun gut abheilen.

Mit Ernährung vorbeugen

Dem Sodbrennen vorzubeugen ist simpel, erfordert aber eine Adaption des eigenen Lebensstils. So verringert eine Reduktion von Übergewicht durch eine Ernährungsumstellung auch den Druck auf den Magen und den Ringmuskel. Doppelter Vorteil: Wer bestimmte Speisen wie Fettes, Geselchtes, Süßigkeiten – insbesondere Schokolade – und hochprozentigen Alkohol von seinem Speisezettel verbannt, spart nicht nur Kalorien und kommt seiner Traumfigur näher, sondern senkt auch das Risiko für Sodbrennen. Auch Kaffee und Nikotin gehören zu den „Verdächtigen“ und sollten nur in Maßen genossen werden. Vor allem abends empfiehlt sich leichte Kost, zum Beispiel gedünstetes Gemüse mit Reis. Wer kurz vor dem Zubettgehen etwas Schweres isst, steigert nämlich seine Chance auf einen Reflux am Morgen (und zusätzliche Kilos). Auch Medikamente können die Auslöser für Sodbrennen sein, zum Beispiel bestimmte Antidepressiva. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Beschwerden. Aber Achtung: Nicht jedes Präparat ist für jeden Patienten geeignet, gute Beratung ist sehr wichtig, denn Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion dürfen beispielsweise keine magnesium- oder aluminiumhaltigen Säurehemmer einnehmen. Patienten mit Bluthochdruck müssen beachten, dass viele Mittel gegen überschüssige Magensäureproduktion Natriumsalze enthalten, die bei längerer Anwendung wiederum den Blutdruck ansteigen lassen.