Am Limit. Bluthochdruck wirksam vorbeugen und behandeln

Rund jeder Vierte ist von der schleichenden Gefahr betroffen: Anfangs oft unerkannt verlaufend, kann die „Volkskrankheit“ Bluthochdruck unbehandelt schwere Herz-Kreislauferkrankungen verursachen – die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Etwa die Hälfte der von Bluthochdruck Betroffenen weiß gar nichts von ihrer Erkrankung, da sie zumeist keine Symptome verursacht – deshalb liegt zum Zeitpunkt der Diagnose bei etwa fünfzig Prozent der Hypertoniker bereits eine nachweisbare Herzinsuffizienz vor. Regelmäßiges Blutdruckmessen ist daher ein Muss – dafür braucht man kein Messgerät zuhause haben, auch in der Apotheke oder beim Hausarzt kann man den Blutdruck in Erfahrung bringen. Bis zum 60. Lebensjahr sind Männer übrigens häufiger betroffen als Frauen — dann gleicht sich der Risikofaktor durch die hormonelle Umstellung in der Menopause an.

Der Blutdruck: wichtiges Transportmittel

Der Blutdruck an sich beschreibt den Druck des Blutes, der im Herzen und den Blutgefäßen — dem sogenannten kardiovaskulären System — vorherrscht. Das kardiovaskuläre System ist ein komplexes Transportsystem in Inneren unseres Körpers, das den Blutkreislauf aufrechterhält. Der Druck wird benötigt, um das Blut durch das System zu pumpen und auch die kleinsten Kapillaren zu erreichen. Der Herzschlag dient dabei als „Motor“, dank ihm fließt das Blut in Wellen durch die Gefäße. Der durchschnittliche Blutdruck eines Gesunden liegt bei circa 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Liegen die beiden Werte – der systolische und diastolische Wert – bei der Blutdruckmessung über den Normalwerten, spricht man von Bluthochdruck. Dabei gibt es verschieden Schweregrade (siehe Infobox). Wichtig: Der Blutdruck ist keine fixe Größe, er schwankt im Laufe des Tages ebenso wie in Abhängigkeit von der Leistung, die das Herz-Kreis-lauf-System erbringen muss, so ist der Blutdruck beim Sport beispielsweise erhöht, was aber normal und nicht besorgniserregend ist.

Bluthochdruck

Von primärer und sekundärer Hypertonie

In der medizinischen Fachsprache wird Bluthochdruck „Hypertonie“ genannt und entsteht meist als Folge eines ungesunden Lebensstils: Zu wenig Bewegung, zu reichliches, salz- und fettreiches Essen, zu viel Alkohol, Rauchen, Stress, Diabetes Typ 2 („Diabetes mellitus“), erhöhte Harnsäurewerte sowie Übergewicht – vor allem sogenanntes „Bauchfett“ – gehören zu den Hauptrisikofaktoren. Achtung auch beim Griff in die Hausapotheke: Bestimmte Schmerzmittel (Aspirin, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac und weitere nichtsteroidale antiinflammatorische Mittel) können bei regelmäßiger Einnahme Bluthochdruck auslösen, daher sollte man sie nicht zu oft verwenden. Auch gewisse Husten- und Erkältungsmittel können den Blutdruck erhöhen, zum Beispiel, wenn sie Pseudoephedrin oder Phenylephrin enthalten. Bluthochdruckpatienten und Risikogruppen sollten deshalb besonders vorsichtig sein, wenn sie Schmerz- oder Erkältungsmittel einnehmen müssen und ihren Arzt oder Apotheker fragen, ob das Mittel für sie geeignet ist – sei es auch rezeptfrei. Auch bestimmte Verhütungsmittel können Bluthochdruck fördern. Den durch ungesunden Lebensstil entstandenen Bluthochdruck nennt man „primäre oder essenzielle Hypertonie“ — ihm liegt also keine organische Erkrankung zugrunde. Es ist kein Wunder, dass rund dreißig Prozent der Bluthochdruckpatienten an Übergewicht leiden. Hier kann man der Hypertonie mit einer dauerhaften Umstellung des Lebensstils wirksam zu Leibe rücken. Bei der sogenannten „sekundären Hypertonie“ liegt eine andere, organische, Grund-erkrankung vor, die den Bluthochdruck auslöst. Hauptursachen sind Nierenerkrankungen wie Nephritis und Nierenarterienstenose, hormonelle Störungen wie Erkrankungen der Nebenniere, eine angeborene Verengung der Hauptschlagader oder das Schlafapnoe-Syndrom. Auch im Rahmen einer Schwangerschaft können Frauen Bluthochdruck entwickeln – die sogenannte Präeklampsie.

 

„Je älter man wird, desto leichter verwechselt man erhöhten Blutdruck mit Leidenschaft.“
Friedrich Hollaender, 18. Oktober 1896 in London, t 18. Januar 1976 in München; deutscher Revue- und Tonfilmkomponist, Kabarettist und Musikdichter

    Gefährliche Gefäßverengungen als Folge

    Warum ist Bluthochdruck so gefährlich? Chronisch erhöhter Blutdruck stört den Fettstoffwechsel und schädigt so die Gefäße und Organe. Er führt zu Cholesterin-ablagerungen an den Gefäßwänden, Gefäßveränderungen wie der Atherosklerose der arteriellen Gefäße und zu einer Verdickung der Herzwand, denn die Gefäße und Organe versuchen dem erhöhten Druck ihrerseits durch eine Verstärkung der Gefäßwände standzuhalten. Bei Nichtbehandlung kann das zu Herzinfarkt, Herzschwäche, Gefäßverschlüssen, Nierenversagen und Schlaganfällen führen – und damit sogar zum Tod. Etwa zwei Drittel aller Schlaganfälle und die Hälfte aller Herzinfarkte lassen sich heute auf Bluthochdruck zurückführen. Weitere Folgeerkrankungen von Hypertonie sind Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Herzversagen und Verschluss der Bein- und Armarterien (arteriosklerotische Veränderungen der Extremitäten), die sich durch Durchblutungsstörungen, Taubheitsgefühle, Schmerzen und fehlenden Puls bemerkbar machen können. Auch das Gehirn leidet unter dem erhöhten Druck: Die Gefäße der Hals- und Kopfarterien verengen sich, Resultat sind Bewegungs-, Sprach-, Empfindungs- und Wahrnehmungs-störungen bis hin zu Leistungsabfall. Sogar Sehstörungen bis zur Erblindung können eintreten, wenn die Gefäße der Netzhaut durch Verengungen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

      Wie man den Blutdruck richtig misstWie wird der Blutdruck gemessen? Der Blutdruck wird nach der Herzphase eingeteilt: Das Herz ist ein Muskel, der wie eine Pumpe funktioniert: Das Blut wird eingesogen und wieder hinausgepumpt. Die Herzauswurfphase nennt man in der Medizin „Systole“, die Herzfüllungsphase heißt „Diastole“. Misst man nun den Blutdruck mit einem Blutdruckmessgerät, werden zwei Werte angezeigt: Der höhere Wert ist die Systole beziehungsweise der „systolische Wert“, der niedrigere Wert ist die Diastole beziehungsweise der „diastolische Wert“. Bei Selbstmessungen zu Hause darf die Grenze bei einem Viertel der Messungen bei 135/85 mmHg liegen.

      „Lebensstiltherapie“ statt Medikamente

      Eine Umstellung des Lebensstils hin zu gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung wirkt sich nicht nur auf die Bikinifigur, sondern auch auf den Blutdruck positiv aus. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Behandlung von Bluthochdruck eine Dauerbehandlung ist, die unbedingt in ärztliche Hand gehört. So gilt es nicht nur, den neuen, gesunden Lebensstil dauerhaft beizubehalten — die sogenannte „Lebensstiltherapie“ –„ sondern auch regel-mäßig Blutdruck und Blutwerte kontrollieren zu Fassen. Außerdem gilt es, gegebenenfalls regelmäßig die verordneten Arzneimittel mit blutdrucksenkenden Wirkstoffen wie Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und Sartane einnehmen. Denn nur die Dauerhaftigkeit wirkt!
      Die Statistiken sind schockierend: Nur rund zehn Prozent der Betroffenen führt die Therapie konsequent durch und kann langfristig Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg erreichen.

        Blutdrucksenken leicht gemacht

        Wie kann man den Blutdruck ohne Medikamente senken? Eigentlich geht das ganz einfach: Ein gesunder Lebensstil mit regel-mäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und weitgehendem Verzicht auf Stress, alkoholische Getränke und Rauchen beugen Bluthochdruck am besten vor und wirkt auch am besten dagegen. Als erstes sollte man den Salzverbrauch unter die Lupe nehmen: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen Konsum von weniger als fünf Gramm Salz pro Tag, doch unser durchschnittlicher Verbrauch liegt bei zehn bis zwölf Gramm täglich! Das betrifft rund die Hälfte aller Hypertonie-Patienten, denn Salz kann – je nach genetischer Veranlagung – den Blutdruck stark beeinflussen. Während die Nahrung salz-und fettarm sein sollte, darf etwas anderes nicht fehlen: Kalium, Magnesium und Ballaststoffe in den Lebensmitteln haben eine erwiesenermaßen blutdrucksenkende Wirkung. Deshalb gehören Bananen, Brokkoli, Datteln, Fisolen, Kartoffeln, Spinat, Orangen und Grapefruits auf die Speisekarte, wenn man den Blutdruck senken möchte. Strittig ist zwar, ob Stress alleine Bluthochdruck auslösen kann, erwiesen ist jedoch, dass er ein zusätzlicher Risikofaktor ist. Logisch also, dass sich Entspannungsmaßnahmen wie Mediation, Biofeedback-Therapie, Ausdauersport, Yoga, Tai Chi, Akkupunktur und Co positiv auf den Blutdruck auswirken. Übrigens: Bluthochdruckpatienten dürfen – freilich nur nach Rücksprache mit dem Arzt – nach neuen Studienergebnissen auch Krafttraining machen und müssen sich nicht mehr „nur“ auf Ausdauersportarten wie Joggen, Walking, Schwimmen oder Radfahren konzentrieren. Früher war man der Meinung, dass die Zunahme von Herzfrequenz und Blutdruck während des Krafttrainings schädlich sei, heute aber weiß man: Durch die aufgebaute Muskelmasse entstehen mehr Blutgefäße, dadurch verteilt sich die Gesamtblutmenge besser im Körper. Die Trainingsintensität sollte aber nicht zu hoch gewählt, Arzt und Trainer in das Vorhaben einbezogen werden. Es ist also gar nicht so schwierig, den „lautlosen Killer“ Bluthochdruck in die Schranken zu weisen. Wichtig ist allerdings, seinen Lebensstil konsequent und dauerhaft umzustellen und regelmäßig in der Apotheke oder beim Hausarzt vorbeizuschauen, um den Blutdruck kontrollieren zu lassen. Welche weiteren natürlichen Mittel es gibt, um den Blutdruck erfolgreich zu senken, verrät das Beratungsgespräch in der Apotheke.

         

        „Früher hatte ich überhaupt nichts. Heute habe ich wenigstens Bauch und Nierensteine und zu hohen Blutdruck. Das ist zwar noch nicht viel, aber es ist doch wenigstens schon etwas.“
        Joseph Conrad, eigentlich Josef Korzeniowski, *3. Dezember 1857 in Berdytschiw in der heutigen Ukraine, † 3. August in Bishopsbourne, Großbritannien, polnisch-britischer Schriftsteller

        Blutdruck: Was ist normal?
        Systolischer Wert Diastolischer Wert
        Optimal <120 <80
        Normal 121 – 129 81 – 84
        Hoher Normalwert 130 – 139 85 – 89
        Hypertonie Grad 1 140 – 159 90 – 99
        Hypertonie Grad 2 160 – 179 100 – 109
        Hypertonie Grad 3 >180 >110